HIGH SCORE

HIGH SCORE – Oder: Warum mir ein Modell aus den 90ern wieder einfiel

Was passiert eigentlich mit Menschen, die zu lange versucht haben, ihren eigenen High Score zu schlagen?

Das Manuskript von „Henriette – Hinter den Spiegeln der Macht“ ist seit wenigen Stunden beim Lektor. Ich sitze auf meiner Terrasse und starre in diesen eigenartigen Zwischenraum hinein, der entsteht, wenn etwas fertig ist, das einen lange beschäftigt hat. Nicht leer.

Warum Klarheit in Organisationen oft an Zustimmung scheitert

Es gibt Konflikte, die sehen aus wie Kommunikationsprobleme. Und es gibt Konflikte, die sind Machtprobleme – nur eben in höflicher Kleidung. Sie kommen nicht mit erhobener Stimme. Sie kommen als Kalender. Als Zuständigkeit. Als „wir müssen das nochmal prüfen“. Als ein Satz, der so vernünftig klingt, dass man ihn fast schon unterschreiben möchte, bevor man verstanden hat, dass er gerade jede Entscheidung beerdigt.

In den letzten Wochen hat mich genau dieses Thema wieder eingeholt. Nicht als Theorie, sondern als Praxis.

Alle waren sich einig. Deshalb ging es schief.

Vor nicht allzu langer Zeit saß ich mit dem Führungsteam eines Maschinenbauers auf der Schwäbischen Alb zusammen. Ein erfolgreiches Unternehmen. Solide, technologisch stark, klar geführt. Kein Sanierungsfall, kein Drama. Eher die Sorte Organisation, bei der man zunächst denkt: Die wissen, was sie tun.
Auf dem Tisch lag eine strategische Entscheidung mit Reichweite. Gründlich vorbereitet, sauber durchdekliniert, mit allem, was moderne Organisationen heute so auffahren können. Analysen, Szenarien, externe Perspektiven. Es fehlte an nichts. Außer vielleicht an dem, worauf es am Ende ankommt.

Deine Organisation funktioniert. Aber ist sie auch belastbar?

Operative Exzellenz scheitert selten an fehlender Kompetenz. Sie scheitert an struktureller Überkomplexität.

In zwei Projekten der letzten Monate zeigte sich dasselbe Muster: Nicht zu wenig Initiative, sondern zu viele Schnittstellen. Nicht mangelnde Motivation, sondern verteilte Verantwortung. Robustheit entsteht nicht durch Addition. Sondern durch bewusste Reduktion von Fragilität. Wer Führung unter Unsicherheit ernst nimmt, muss Entscheidungsarchitektur neu denken.

Führung beginnt jenseits von Gewissheit

Es gibt Zeiten, in denen klare Pläne helfen. Und es gibt Zeiten, in denen genau diese Pläne zum Problem werden.

Für viele Organisationen fühlt sich der Februar 2026 genau nach dieser zweiten Kategorie an: Zwischen wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischen Verschiebungen, technologischer Beschleunigung und interner Transformationsmüdigkeit entsteht etwas, das schwer greifbar, aber deutlich spürbar ist.

Warum Allein-Denken 2026 richtig teuer wird

Über Führung, Einsamkeit und den Mut, sich irritieren zu lassen

Es gibt einen Punkt im Leben von Führungskräften, an dem Einsamkeit nicht mehr heroisch ist, sondern riskant. Er kommt nicht laut. Er kündigt sich nicht an. Er setzt sich fest als Gewissheit. Als schnelles Urteil. Als Gedanke, der sich nicht mehr reibt. Allein denken fühlt sich effizient an. Keine Reibung. Kein Widerspruch. Kein Erklären. Und genau darin liegt der Preis.

Der Preis der Einsamkeit an der Spitze

Es gibt Momente im Leben einer Führungskraft, die sind so leise, dass man sie fast überhören könnte. Und gerade deshalb verraten sie so viel.

Ein Raum. Eine Entscheidung, die schwerer wiegt als jede Excel-Spalte. Eine Verantwortung, die keiner sieht – außer dem Menschen, der sie trägt.

Ich erlebe diese Momente fast jede Woche im FlipchartSparring©. Und sie haben alle denselben Klang.

Wie man Transformation mit Formularen tötet

Transformation? Zwischen Excel und Existenz. Wenn HR Veränderung wie eine Krankheit behandelt, hilft auch kein „agiles Pflaster“. Ich habe erlebt, wie Organisationen den Wandel zertifizieren wollten, sauber dokumentiert, aber innerlich tot. Und ich habe gesehen, wie HR aufhörte, Angst zu haben und anfing, zu führen. Dann wird sichtbar, dass Kultur kein Projekt ist, sondern das, was in und zwischen den Projekten passiert.

Denn, mal ehrlich: Wer Change nur verwalten will, darf sich nicht wundern, wenn nichts passiert. Und wer glaubt, Menschen „mitzunehmen“, hat den Bus schon verpasst.

Boarding completed

Transformationen starten oft wie ein Linienflug: Alle sind angeschnallt, das Briefing klingt professionell, und der Start fühlt sich spektakulär an. Doch spätestens in der Luft wird klar: Der Autopilot läuft, der Kurs ist unklar, und aus der Kabine hört man nur Buzzwords statt Orientierung. Willkommen im Blindflug.

Führungskräfte reden von Agilität, Resilienz und Purpose, während Teams nicht mal wissen, ob sie gerade Kaffee servieren oder Notlandung vorbereiten sollen. Die Crew ist müde, der Sprit knapp, und niemand fragt sich mehr ernsthaft, ob der Zielort überhaupt noch stimmt.

Die Karte ist nicht das Gebiet!

Karten sind hilfreich. Bis du merkst, dass die Realität andere Pläne hat. Der Wegweiser zeigt links, das GPS rechts – und der Plan auf dem Papier? Schön, aber nutzlos. Willkommen im echten Leben. Und im Change.

Organisationen glauben gern an ihre Strategien, Prozesse, Ziele – sauber formuliert, grafisch aufgepeppt, durchgeplant bis zur letzten Kennzahl. Und trotzdem tritt niemand los. Warum? Weil Menschen keine Excel-Zellen sind. Sie denken, fühlen, zweifeln – und handeln erst, wenn der Sinn stimmt.