
Was Alice, Neo und du gemeinsam haben – und wieso du dieses Buch nicht lesen solltest, wenn du Kontrolle liebst.
Down The Rabbit Hole
Ich gebe es zu: Es war ein bisschen wie bei Alice. Oder wie bei Neo.
Oder – ehrlicherweise – wie bei mir.
Erst war da nur eine Idee. Eine vage Ahnung, dass da etwas erzählt werden will. Kein Plot. Kein Pitch. Nur ein weißes Kaninchen. Und ich – mit einem vollen Kalender, einem halbfertigen Konzept und dem Gefühl: Wenn ich dem jetzt folge, gibt es kein Zurück.
Am vergangenen Wochenende habe ich mit meiner Tochter The Matrixgeschaut. Sie ist erwachsen, reflektiert, klug – und kannte den Film noch nicht. Ich saß neben ihr auf dem Sofa, beobachtete sie – und den Moment, in dem sie Neo zum ersten Mal sieht. Wie er zögert. Wie das Kaninchen auf dem Schulterblatt einer Unbekannten ihn in einen Club führt. Wie er dort Trinity trifft. Und wie diese ihm eine einfache, brutale Wahrheit ins Ohr flüstert:
“Du bist in einem Käfig, Neo. Und du spürst es. Schon dein ganzes Leben.”
Ich hatte Gänsehaut. Nicht, weil ich den Film nicht kannte. Sondern weil mir plötzlich klar wurde, wie tief ich selbst gefallen war – in meinem ganz eigenen Kaninchenbau.
Dieses Buch ist genau dort entstanden: Zwischen Meetings, Projekten, Krisen und Kaffee. Aber auch zwischen Zweifeln, Erinnerungen und Dialogen mit Figuren, die es eigentlich gar nicht gibt – und die mir dennoch klüger vorkamen als mancher Business-Coach.
Alice, Neo, das weiße Kaninchen – sie alle stehen für einen Moment des Übergangs. Für die Entscheidung, der eigenen Intuition zu trauen. Für den Mut, Kontrolle aufzugeben. Und für das, was jenseits der Pläne, Tools und Methoden liegt: der Raum des Möglichen.
Heute halte ich dieses Buch in der Hand. Und manchmal kommt es mir vor wie ein Artefakt aus einer anderen Welt. Ich bin darin: 🔸 Als Erzähler. 🔸 Als Figur. 🔸 Als jemand, der sich selbst beim Denken zusieht und dabei mehr Fragen stellt als Antworten gibt.
Transformation ist kein Ziel. Transformation ist ein Sprung. Und dieses Buch ist mein Sprungprotokoll. Ungefährlich war der Flug nicht. Aber lohnenswert. Denn irgendwo zwischen dem Wahnsinn der Managementwelt und dem Lächeln der Grinsekatze habe ich etwas gefunden, das man nicht planen kann: mich selbst.
Warum ich dieses Buch „Down The Rabbit Hole“ geschrieben habe?
Weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich selbst Teil der Geschichte bin.
Ich bin seit über zwanzig Jahren unterwegs im Land der Transformationen. Ich kenne die Bühnen, die Flure, die Flipcharts. Ich habe hunderte Post-its geklebt, mit Führungskräften gekämpft, Retreats moderiert, Change-Canvas-Modelle entworfen und Menschen bei ihren mutigsten – und ihren feigsten – Entscheidungen begleitet.
Und doch fehlte mir etwas. Etwas, das sich nicht in PowerPoint-Folien pressen ließ. Etwas, das sich sperrte gegen „Zielbilder“ und „Quick Wins“. Etwas, das eher fühlbar war als messbar.
Dieses Buch ist mein Versuch, genau dieses „Etwas“ greifbar zu machen. Und ja – es ist persönlich geworden. Nicht als Selbstvermarktung. Sondern weil ich glaube, dass Transformation nicht bei den anderen beginnt. Sondern immer bei uns selbst.
Für wen ist dieses Buch?
Für alle, die Veränderung nicht nur managen, sondern begreifen wollen. Für Unternehmerinnen und Unternehmer, die spüren, dass die alten Erzählungen nicht mehr tragen – aber die neuen noch nicht in Sicht sind. Für Coaches, Beraterinnen, Führungskräfte, die in der Sandwich-Position nicht zerrieben werden wollen, sondern Orientierung suchen – jenseits der Standardtools. Für kluge Köpfe mit Humor. Für Suchende mit Rückgrat. Für Rebellen mit Haltung.
Und auch für mich. Denn während ich schrieb, wurde mir klar: Ich schreibe nicht nur für andere. Ich schreibe, weil ich selbst verstehen will, was da eigentlich passiert, wenn Organisationen in Bewegung geraten – und Menschen plötzlich anfangen, ihre Komfortzonen gegen Erkenntnisräume zu tauschen.
Wie das Buch zu seiner Form fand – oder: Die Geburt der Stimmen
Ursprünglich hatte ich vor, ein klassisches Fachbuch zu schreiben. Struktur, Framework, Best Practice. Doch jedes Mal, wenn ich versuchte, meine Gedanken in diese Form zu pressen, meldete sich… jemand.
Zuerst war da das weiße Kaninchen. Dann der März-Hase. Dann die Grinsekatze. Und irgendwann HansJörg – eine Version von mir selbst, nur widersprüchlicher, alberner, und vielleicht ein bisschen weiser.
Ich habe lange gehadert, ob ich diese Stimmen zulassen darf. Ob das nicht „zu viel“ ist. Zu verspielt. Zu verrückt. Zu literarisch. Doch dann passierte etwas: Sie begannen, miteinander zu sprechen. Sie stellten mir Fragen, widersprachen mir, nahmen mich aufs Korn – und plötzlich schrieb ich nicht mehr an einem Buch. Ich war mittendrin.
Diese Stimmen sind keine Gimmicks. Sie sind Verdichtungen von Erfahrungen. Sie sind der Versuch, Komplexität greifbar zu machen – ohne sie zu banalisieren. Und sie sind das, was ich selbst in vielen Organisationen vermisse: das freie, absichtslose Denken jenseits von Rollen, Karrierelogiken und Deadlines.
Zwei Kapitel, die bleiben
Beim Schreiben gibt es manchmal diese magischen Momente, in denen sich ein Text nicht wie Arbeit anfühlt – sondern wie ein Gespräch, das längst begonnen hat. Zwei dieser Kapitel haben mich besonders bewegt. Nicht nur, weil sie mir gut gelungen sind. Sondern weil sie etwas sichtbar machen, was in der Transformationswelt zu oft untergeht.
„Nebel über Cynefin“ – oder: Warum wir ständig im falschen Modus denken
Das Cynefin-Modell von Dave Snowden ist eigentlich simpel – und doch radikal. Es unterscheidet zwischen vier Kontexten, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen: einfach, kompliziert, komplex und chaotisch.
Jede Domäne hat ihre eigene Logik. Ein einfaches Problem braucht klare Regeln („Best Practice“). Ein kompliziertes Problem braucht Analyse und Expertise („Good Practice“). Ein komplexes Problem braucht Experimentieren und Zuhören („Emergent Practice“). Und ein chaotisches Problem braucht erstmal: Handeln – sofort.
Soweit, so gut.
Doch was passiert in der Realität? Wir behandeln komplexe Situationen wie einfache. Wir pressen dynamische Prozesse in starre Excel-Vorlagen. Wir verlangen Sicherheit, wo es nur Wahrscheinlichkeiten gibt.
„Nebel über Cynefin“ ist mein Versuch, genau dieses Missverständnis greifbar zu machen. Nicht als akademisches Essay. Sondern als kleine Szene, in der die Hauptfigur buchstäblich im Nebel steht – und von einem sprechenden Kaninchen daran erinnert wird, dass Klarheit nicht immer eine Frage der Methode ist. Sondern des Mutes zur Ambiguität.
Die Kernbotschaft? 👉 Wenn du in komplexen Systemen agierst, ist dein Wunsch nach Kontrolle oft das erste, was du loslassen musst.
„Bällebad der Egos“ – oder: Warum Change so oft zur Selbstdarstellung verkommt
Dieses Kapitel tut weh. Weil es wahr ist. Und weil ich mich selbst darin ertappt habe.
Das „Bällebad der Egos“ ist ein Ort, den viele aus Meetings kennen – auch wenn er dort selten so benannt wird. Ein Ort, an dem nicht mehr gemeinsam gedacht wird, sondern konkurriert. Um Sichtbarkeit. Um Deutungshoheit. Um Purpose, der wie eine modische Brille durch die Gegend getragen wird.
Die zentrale Metapher ist absurd – und deshalb wirksam: In diesem Bällebad wird mit Buzzwords geworfen. Jede*r hat sein Lieblingsbällchen: „Agilität“, „Resilienz“, „Empowerment“, „Narrativ“, „New Work“. Aber niemand hört wirklich zu. Und am Ende liegt der Erkenntnisgewinn irgendwo zwischen zwei quietschbunten Plattitüden begraben.
Was hier ironisch beschrieben ist, basiert auf hunderten echten Begegnungen mit Menschen in Organisationen. Menschen, die sich verlieren – nicht aus bösem Willen, sondern weil das System sie dazu zwingt, ständig performen zu müssen.
Die Botschaft? 👉 Echte Transformation beginnt dort, wo Egos zurücktreten – und Raum entsteht für das, was zwischen uns möglich ist.
Die Glitches – kleine Fehler, große Wirkung
Es gibt Stellen im Buch, da bricht die Geschichte plötzlich ab. Oder besser gesagt: Sie glitcht.
Wie in einem alten Computerspiel. Oder in der Matrix, wenn die schwarze Katze zweimal durchs Bild läuft. Diese Momente sind kein Stilbruch – sie sind Absicht. Denn Transformation braucht manchmal einen Riss im Gewohnten, damit etwas Neues eindringen kann.
„Der März-Hase“ – der Hofnarr in der Vorstandsetage
Wenn du dem März-Hasen begegnest, weißt du nicht, ob du lachen oder weinen sollst. Er redet in Rätseln. Er stellt Fragen, die keine Lösung wollen. Und er ist schneller weg, als du „Keynote“ sagen kannst.
Doch hinter seinem Irrsinn steckt Methode. Der März-Hase ist ein Prototyp des organisationalen Hofnarren: Er hat keine formale Macht, aber maximale Wirkung – sofern man ihn lässt. Er spricht unbequeme Wahrheiten aus, verpackt in Spott, Absurdität und Tee.
In diesem Glitch trifft mein Held auf den März-Hasen mitten in einem Meeting, das schon längst den Kontakt zur Realität verloren hat. Es geht um KPI-Kaskaden, Purpose-Plakate, Change-Roadmaps. Und dann fragt der Hase:
„Sag mal… wenn ihr so viel über Sinn redet – warum sieht man euch nie lachen?“
Stille.
Und genau diese Stille ist der Moment, in dem Transformation beginnt.
Die Botschaft? 👉 Manchmal braucht es den Narren, um die Wahrheit zu sagen, die alle spüren, aber keiner ausspricht.
„Bias Reloaded“ – willkommen im Maschinenraum deiner Vorurteile
Wenn du denkst, du bist objektiv – lies dieses Kapitel. Wenn du meinst, du triffst rationale Entscheidungen – lies es zweimal.
„Bias Reloaded“ ist ein augenzwinkernder Deep Dive in die Welt unserer Denkfehler. Anhand einer fiktiven Szene – halb Coaching-Session, halb Dystopie – entlarvt dieser Glitch, wie sehr unsere Wahrnehmung verzerrt ist. Confirmation Bias, Dunning-Kruger-Effekt, Status-Quo-Bias – das ganze Bias-Bällebad eben.
Das Erschreckende? Die meisten dieser Verzerrungen wirken subtil – und vor allem: unbemerkt. Sie beeinflussen, welche Transformationen wir anstoßen. Wie wir Erfolge bewerten. Und warum wir scheitern – gerade dann, wenn alles „nach Plan“ läuft.
Die Hauptfigur merkt das allerdings erst, als sie beginnt, mit ihrem digitalen Spiegelbild zu diskutieren. Ein Gespräch, das eskaliert – und mit einem simplen Satz endet:
„Vielleicht ist dein größter Bias, zu glauben, du hättest keinen.“
Die Botschaft? 👉 Wer Transformation will, muss zuerst die eigenen Denkfilter neu starten. Alles andere ist PowerPoint-Kosmetik.
Und für wen lohnt sich das Buch „Down The Rabbit Hole“ ?
Wenn du Transformation gestalten willst – egal ob als Führungskraft, Coach oder Kollege – findest du hier nicht nur Methoden, sondern vor allem: Mut.
Mut, in den Spiegel zu schauen – auch wenn das Bild darin nicht immer schmeichelhaft ist. Mut, in den Kaninchenbau zu steigen – obwohl der Ausgang ungewiss ist. Mut, die Komfortzone zu verlassen – und dafür Erkenntnis zu gewinnen.
Wenn du bereit bist, durch Spiegel zu steigen und deine eigenen Gewissheiten zu hinterfragen, wirst du dich in diesem Buch wiederfinden. Manchmal als Held. Manchmal als Schurke. Und manchmal als Suchender mit einem Teebecher in der Hand – auf einem Stuhl, der Fragen stellt.
Und jetzt?
Jetzt liegt es bei dir.
📖 Lies. 🔎 Denk. 🗣️ Diskutier. 📮 Schreib mir.












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